Die Ursprünge des Alkohols · Folge 1.1

Wer hat den Alkohol erfunden?

Die vorgeschichtlichen Ursprünge des Trinkens

Der Mensch hat die Gärung nicht erfunden. Mikroorganismen waren zuerst da. Hefe verwertet Zucker, wo sie ihn auch findet — in einer aufgeplatzten Frucht, in verdünntem Honig oder in einem Getreidebrei, der zu lange in der Sonne stand — und produziert dabei unter anderem Ethanol. Lange bevor jemand gezielt ein Getränk herstellte, begegneten Menschen Alkohol mit großer Wahrscheinlichkeit als natürlichem Phänomen: süß, leicht prickelnd, etwas gefährlich und seit jeher da.

Mindrink ScienceFolge 1.1Forschungsgestützte Geschichte

Niemand kann den Erfinder nennen. Das Getränk selbst bleibt nicht erhalten. Nach zehntausend Jahren gibt es keine Flüssigkeit mehr zu kosten, keine Flasche mehr zu öffnen und kein Rezept an einer Wand. Die Archäologie kann jedoch etwas Interessanteres rekonstruieren: den Moment, in dem Menschen offenbar begannen, vergorene Getränke gezielt herzustellen.

Daraus ergeben sich drei Fragen. Wann haben sie damit begonnen? Was stellten sie her? Und warum tranken sie es?

Wann haben Menschen begonnen, Alkohol herzustellen?

Alkohol selbst verschwindet. Was nach Tausenden von Jahren bleibt, sind Spuren seiner Herstellung: Stärke in einem Steinmörser, Säuren, die in die Wand eines Krugs eingedrungen sind, Pflanzenreste und die Schleifspuren eines Stößels. Die Geschichte der ersten alkoholischen Getränke erzählt sich anhand dieser Gegenstände.

Vor etwa 13.000 Jahren: eine Höhle am Karmel

Die Raqefet-Höhle öffnet sich im Kalkstein des Karmel nach Westen, im heutigen Israel. Im späten Natufien — vor etwa 13.700 bis 11.700 Jahren — waren ihre Nutzer Jäger und Sammler an der Schwelle zur Landwirtschaft. Sie betrieben keinen Ackerbau. In einem kleinen Bereich der ersten Kammer begruben sie regelmäßig ihre Toten. Etwa dreißig Menschen wurden dort im Fels bestattet. Manche Gräber waren mit Blütenpflanzen ausgelegt.[6] Zerlegte Tierknochen wurden ihnen beigegeben.[5]

Um die Gräber herum waren mehr als hundert Vertiefungen in den Höhlenboden und die Terrasse eingehauen worden — Mörser und Schälchen im anstehenden Fels. Zwei tiefe Blockmörser standen neben menschlichen Überresten. Einer ist etwa 33 Zentimeter tief und besitzt am Grund ein Loch. Ein dritter, schüsselförmiger Mörser befindet sich inmitten der Strukturen im Zentrum der Kammer. Er ist 18 Zentimeter tief und misst am Rand 27 Zentimeter im Durchmesser.[1]

Li Liu, Jiajing Wang und ihre Kollegen untersuchten die drei Mörser auf mikroskopische Pflanzenreste und Abnutzungsspuren im Stein. Sie fanden Stärkekörner von Weizen oder Gerste, Hafer, Hülsenfrüchten, Sauergrasknollen und anderen Pflanzen. Kontrollproben von unbenutzten Flächen und aus dem Boden außerhalb der Höhle waren fast leer. Manche Getreidestärken ähnelten unter dem Mikroskop gemälzter Gerste. Andere aus dem schüsselförmigen Mörser entsprachen dem Muster, das dasselbe Team bei Versuchen mit zerkleinertem und vergorenem Getreide erzeugt hatte.[1]

Die tiefen Mörser weisen Abnutzungsspuren auf, als wären darin Faserkörbe auf und ab bewegt worden. Der schüsselförmige Mörser wirkt, als sei darin mit einem Holzstößel gestampft worden. Liu rekonstruiert eine dreistufige Abfolge, die spätere Brauer wiedererkannt hätten: Getreide keimen lassen und trocknen (Mälzen), zerkleinern und in Wasser erwärmen (Maischen), dann die Hefe arbeiten lassen (Gären). Das Team deutet den Schüsselmörser sowohl als Werkzeug zum Stampfen pflanzlicher Nahrung als auch zum Brauen eines Getränks auf Weizen- oder Gerstenbasis. Wahrscheinlich wurden weitere Pflanzen zugesetzt, und das Getränk enthielt vermutlich nur wenig Alkohol.[1]

Wenn diese Deutung stimmt, vergoren Jäger und Sammler bereits Getreide — mehrere tausend Jahre, bevor im Nahen Osten domestiziertes Getreide auftauchte. Das heißt nicht, dass das erste Bier der Welt am Karmel erfunden wurde. Der Befund besteht aus drei Mörsern in einem Gräberfeld, deren Spuren auf Brauen hindeuten.

Krüge in Henan, vor etwa 9.000 Jahren

Eine andere Art von Spur erscheint mehrere Jahrtausende später, Tausende Kilometer entfernt. In Jiahu, einem frühneolithischen Dorf in der chinesischen Provinz Henan, extrahierten Patrick McGovern und seine Kollegen organische Rückstände aus sechzehn Keramikgefäßen: engmündigen Vorratskrügen, Krügen mit hohem, ausladendem Hals und durchbrochenen Becken. Die meisten Proben stammten vom Gefäßboden, wo sich Flüssigkeiten ansammeln. Dreizehn der sechzehn Proben ähnelten einander in ihrer chemischen Zusammensetzung. Die Gefäße sind etwa 7.500 bis 9.000 Jahre alt.[2]

Der Alkohol selbst war längst verschwunden. Ethanol verdunstet; Mikroben vollenden, was die Zeit beginnt. Die chemischen Analysen offenbarten jedoch ein Rezept. Übereinstimmungen wiesen auf Reis hin, das einzige am Fundplatz geborgene Getreide. Für Bienenwachs typische langkettige Kohlenwasserstoffe belegten Honig, Weinsäure wiederum deutete auf Früchte. Im Nahen Osten ist diese Säure ein starkes Indiz für Trauben. In China muss das nicht gelten: Weißdornfrüchte enthalten etwa viermal so viel Weinsäure wie Trauben, und in Jiahu wurden sowohl Weißdornkerne als auch Kerne wilder Weinreben gefunden. McGovern schließt daraus auf ein gemischtes Gärgetränk aus Reis und Honig, ergänzt durch Weißdornfrüchte, Trauben oder beides.[2]

Die Gärung lässt sich nur erschließen, nicht unmittelbar nachweisen. Die Weinhefe Saccharomyces cerevisiae lebt im Honig und auf der Schale süßer Früchte. Verdünnt man den Honig, zerdrückt die Früchte und wartet einige warme Tage, setzt die Gärung von selbst ein. McGovern zufolge hatten die Menschen von Jiahu gelernt, diesen Vorgang gezielt in Krügen in Gang zu setzen.

Jiahu ist keine Fortsetzung von Raqefet. Der Fundplatz belegt, dass schon vor etwa 9.000 Jahren weit entfernt vom Nahen Osten eigenständige komplexe Gärverfahren praktiziert wurden. Wahrscheinlich gab es weder eine einzige Erfindung des Alkohols noch ein Zentrum, von dem sie ausging. Verschiedene Bevölkerungen entdeckten denselben mikrobiellen Zufall und begannen, ihn gezielt zu wiederholen.

Im frühen Neolithikum, möglicherweise aber schon mehrere Jahrtausende früher, stießen Menschen nicht mehr nur zufällig auf vergorene Früchte. Sie lernten, den Vorgang gezielt zu wiederholen.

Was waren die ersten alkoholischen Getränke?

Heutige Trinker denken in Kategorien: Bier, Wein, Apfelwein, Met. Vorgeschichtliche Menschen mussten das nicht. Frühe vergorene Getränke waren wahrscheinlich Mischungen aus allem, was sich vergären ließ. Standardisierte Rezepte entstanden erst später.

Getreide stellte die Menschen vor ein anderes Problem als Früchte und Honig. Früchte und Honig enthalten bereits leicht verfügbare Zucker, Getreidekörner dagegen vor allem Stärke. Um sie nutzbar zu machen, musste das Getreide verarbeitet werden: durch Rösten, Mahlen, Einweichen, Kochen zu Brei, Mälzen oder Vergären. Brot war eine Möglichkeit, Getreide zu nutzen — aber nicht die einzige.

Bier vor Brot?

1953 stellte der Archäologe Robert Braidwood seinen Kollegen eine provokante Frage: Haben Menschen einst vom Bier allein gelebt? Könnte der Durst nach einem vergorenen Getreidegetränk eher als der Bedarf an Brot die Menschen zum Getreideanbau getrieben haben?[8] Die Frage ist nie ganz verschwunden, weil sie eine gute Geschichte ergibt. Raqefet scheint Getreidegärung bei Jägern und Sammlern zu belegen, noch vor der Domestizierung von Getreide im Nahen Osten. Das bringt eine allzu saubere Abfolge durcheinander:

Ackerbau → Getreideüberschuss → Brot → Bier

Was die Mörser tatsächlich zeigen, ist weniger filmreif, dafür aber aufschlussreicher. Auf denselben Steinen fanden sich neben maltähnlichen Getreidestärken auch Spuren von Hafer, Hülsenfrüchten und Sauergrasknollen. Lius Team versteht das Brauen als eine von mehreren Arten, auf die Natufier bereits Getreide verarbeiteten, und möglicherweise als einen der Anreize für den beginnenden Getreideanbau in der südlichen Levante.[1] In Shubayqa 1 im östlichen Jordanien, einem weiteren natufischen Fundplatz, wurden etwa 14.400 Jahre alte verkohlte Reste als Brot identifiziert.[7] Nach heutigem Forschungsstand gehören Brauen und Backen in dieselbe Welt früher Getreideexperimente. Die romantische Vorstellung, der Ackerbau sei nur wegen des Bieres erfunden worden, geht über das hinaus, was diese beiden Fundplätze belegen können. Näher liegt eine andere Deutung: Schon vor den ersten Feldern experimentierten Jäger und Sammler auf verschiedene Weise mit Getreide — unter anderem durch Brauen.

Ein Krug von der Größe eines Menschen, vor etwa 8.000 Jahren

Etwa ein weiteres Jahrtausend später führen die Spuren in die Täler des Südkaukasus. In den frühneolithischen Dörfern Gadachrili Gora und Shulaveris Gora in Georgien stellten die Menschen einige der frühesten großen Keramikgefäße des Nahen Ostens her. Ein rekonstruierter Krug aus dem nahe gelegenen Khramis Didi-Gora ist fast einen Meter hoch und einen Meter breit. Er hätte mehr als 300 Liter fassen können. McGovern und ein großes georgisches und internationales Team untersuchten den Ton ähnlicher Krüge. Mehrere Scherben enthielten deutlich mehr Weinsäure — die wichtigste organische Säure in Trauben — als der umgebende Boden, außerdem weitere für Trauben typische Säuren.[3]

Die botanischen Befunde bestätigen diese Annahme. Traubenpollen findet sich in den neolithischen Schichten, fehlt aber im modernen Oberboden. Bei einem Krug ähnlichen Typs wurden Stärke und Fragmente von Traubenschalen entdeckt. Auch Fruchtfliegen, die von Zucker und Alkohol angezogen werden, fanden sich in einer Scherbe. Weinreben scheinen in der Nähe der Dörfer, vielleicht sogar innerhalb der Siedlungen, gewachsen zu sein. Aus der Verbindung chemischer und botanischer Indizien schließt das Team auf Traubenwein, der in diesen übergroßen Krügen hergestellt und gelagert wurde.[3]

Das ist das erste Getränk dieser Geschichte, das ein heutiger Trinker ohne weitere Erklärung erkennen würde. Kein Gemisch aus Reis, Honig und Weißdorn, sondern Trauben in großer Menge, aufbewahrt in einem eigens dafür geschaffenen Gefäß. Der Vergleich mit Jiahu zeichnet keine Entwicklungslinie vom Mischgetränk über Bier zum Wein. Es geht um andere Regionen, andere Zutaten und andere Jahrtausende. Gemeinsam ist ihnen die zunehmende Kontrolle über den Prozess. Die Menschen hatten gelernt, die Gärung nicht nur zu beobachten, sondern gezielt zu steuern.

Warum haben vorgeschichtliche Menschen getrunken?

Wir wissen es nicht.

Niemand hat es aufgeschrieben. Ein Rückstand kann andeuten, was sich in einem Gefäß befand. Er kann nicht erklären, warum jemand es zum Trinken anhob. Archäologen deuten deshalb den Kontext: ein Haus, ein Gräberfeld, einen Hügel, auf dem Menschen zusammenkamen, um etwas Gewaltiges zu errichten.

Trinken mit den Toten

In vier Gräbern von Raqefet wurden die Toten auf eine dünne Lehmschicht gelegt, in der sich noch Abdrücke von Pflanzenstängeln erhalten haben, darunter Salbei — Farbe und Duft, eigens unter dem Körper platziert. In einem Grab war der Felsuntergrund zurechtgemeißelt worden, bevor die Lehmschicht aufgetragen wurde. Ein Skelett wurde auf dem Rand eines großen Felsmörsers ruhend gefunden.[6]

Die Tierknochen in der Hauptbestattungsmulde sind Speisereste. Sie stammen von zerlegten und verzehrten Tieren, nicht von ganzen Kadavern, die als Grabbeigaben niedergelegt wurden. Es fehlen die Spuren von Zertreten, Verbrennen und Benagen, die sich ansammeln, wenn Menschen längere Zeit zwischen ihren Abfällen leben. Reuven Yeshurun, Guy Bar-Oz und Dani Nadel deuten sie als Überreste kurzer, einzelner Ereignisse: Totenfeste, deren Reste zusammengetragen und mit den Verstorbenen begraben wurden.[5]

Die Brauspuren fügen sich in dieses Bild ein. Zwei der untersuchten Mörser standen neben menschlichen Überresten. Die Szenerie umfasst ein Gräberfeld, eine Mahlzeit und — wenn Liu recht hat — ein vergorenes Getreidegetränk. Liu zufolge gehörte das Getränk zu den Totenriten: Es war etwas, das man für die Verstorbenen tat, aber auch für die Lebenden, die als Gemeinschaft weiterleben mussten.[1] Blumen und Knochen liegen unabhängig davon in den Gräbern, ob die Stärkespuren tatsächlich von Bier stammen. Erst der Standort der Mörser lässt sie als Spuren eines Totengetränks erscheinen.

Ein Hügel aus Pfeilern

Göbekli Tepe, auf einer Erhebung in Südostanatolien, ist der Ort, an dem dieselbe Frage fast zu groß wird.

Das war kein Dorf. Die Ausgräber deuten die Anlage als Heiligtum. Jäger und Sammler errichteten Kreise aus T-förmigen Kalksteinpfeilern um zwei höhere Steine in der Mitte. Sie sind mit Tieren, manchmal auch mit Armen und Gürteln verziert und werden deshalb als stilisierte Menschen gedeutet. Das mittlere Pfeilerpaar einer Einfriedung erreicht etwa 5,5 Meter Höhe. Es gibt keine domestizierten Pflanzen oder Tiere. Die Erbauer lebten noch von der Jagd und vom Sammeln.[4]

Was sie in der Verfüllung hinterließen, ist kein gewöhnlicher Siedlungsabfall. Dort fand sich eine ungewöhnliche Menge zerschlagener Knochen von Gazellen, Auerochsen und Wildeseln — weit mehr als in zeitgleichen Siedlungen üblich. Oliver Dietrich und seine Kollegen sehen darin Hinweise auf gemeinschaftliche Arbeitsfeste: Menschen kamen aus weitem Umkreis zusammen, aßen und richteten die Steine auf. Bänke ziehen sich um die Kreise, als sei die Architektur selbst für Versammlungen geschaffen.[4]

In späteren Räumen stehen sechs Kalksteintröge und -behälter, von denen manche 160 Liter fassen konnten. Grauschwarze Rückstände haften an ihren unteren Wänden. Die Annahme, dass Bier auf dem Speiseplan stand, ist der schwächste Teil der Argumentation. Die Untersuchungen galten Oxalat, einem Salz, das beim Maischen von Getreide entstehen kann. Dietrich vermutet, dass bei den Versammlungen ein vergorenes Getreidegetränk zubereitet oder ausgeschenkt wurde — vielleicht aus Getreide, das anderswo gemälzt und eigens herbeigebracht worden war.[4] Falls es tatsächlich Bier gab, war es nur ein Element eines wesentlich größeren sozialen Gefüges.

Dieses soziale Gefüge ist der Grund, warum Göbekli Tepe überhaupt in eine Geschichte des Trinkens gehört. Feste bringen Menschen zusammen. Ein Gastgeber, der eine große Gruppe bewirtet, schafft Verpflichtungen. Ein gemeinsames Ritual macht sichtbar, wer zur Gruppe gehört. Ein Fest kann außerdem eine Art Vorschuss für geleistete Arbeit sein. Die Abfolge lässt sich so darstellen:

Fest → soziale Bindungen → Kooperation → kollektive Arbeit → monumentales Bauen

Alkohol ist in dieser Rekonstruktion ein mögliches soziales Schmiermittel, nicht der Motor. Dietrich und seine Kollegen kehren zu Braidwoods alter Frage zurück, lehnen den eingängigen Slogan jedoch ab: Die Menschen lebten nicht vom Bier allein. Vergorene Getränke könnten dennoch eine Rolle gespielt haben, als menschliche Gruppen groß und organisiert genug wurden, um einen Hügel aus Pfeilern zu errichten, noch bevor sie ihre erste Ernte einbrachten.

Die wichtigere Frage ist bescheidener als die nach dem Ursprung der Zivilisation:

Hat das Trinken Menschen geholfen, Gemeinschaften aufzubauen?

Nicht, dass Alkohol das Neolithikum geschaffen hätte. Vielmehr könnten vergorene Getränke bereits zu den Festen gehört haben, bei denen größere Gruppen lernten, zusammenzuarbeiten.

Alkohol vor der Zivilisation

Zusammengefasst gibt es keinen einzelnen Erfinder. Mögliche Brauversuche von Jägern und Sammlern vor etwa 13.000 Jahren sind durch Mörser in einem Gräberfeld belegt. Ein gemischtes Gärgetränk in China vor etwa 9.000 Jahren erschließt sich aus der chemischen Analyse von Krügen. In Georgien wurde vor etwa 8.000 Jahren etwas hergestellt, das Traubenwein nahekommt — in Gefäßen von der Größe eines Menschen. Das sind parallele Experimente ohne gemeinsamen Ursprung und noch nicht die Getränke, die man heute in einer Bar bestellen würde.

Die Frage nach dem „Warum“ ist am schwersten zu beantworten. An den Orten, die frühe Spuren von Alkohol bewahren, finden sich auch Gräber, Reste von Mahlzeiten und Architektur für größere Versammlungen. Die Forschung sucht deshalb in Ritualen, Bestattungspraktiken, Festen und sozialen Bindungen nach einer Erklärung. Dorthin weisen die Indizien. Doch genau dort werden die Belege dünner und gehen in Deutungen über.

Dann ändert sich die Natur der Überlieferung.

In Mesopotamien haben wir nicht nur mikroskopische Rückstände und den Grundriss eines Fundplatzes. Die Menschen beginnen, über Bier zu schreiben.

Weiter: Folge 2 — Mesopotamien: Die erste Bierzivilisation der Welt

Quellen

  1. Liu L, Wang J, Rosenberg D, Zhao H, Lengyel G, Nadel D. Fermented beverage and food storage in 13,000 y-old stone mortars at Raqefet Cave, Israel: Investigating Natufian ritual feasting. Journal of Archaeological Science: Reports. 2018;21:783–793. doi:10.1016/j.jasrep.2018.08.008
  2. McGovern PE, Zhang J, Tang J, Zhang Z, Hall GR, Moreau RA, Nuñez A, Butrym ED, Richards MP, Wang C-S, Cheng G, Zhao Z, Wang C. Fermented beverages of pre- and proto-historic China. Proceedings of the National Academy of Sciences. 2004;101(51):17593–17598. doi:10.1073/pnas.0407921102
  3. McGovern P, Jalabadze M, Batiuk S, Callahan MP, Smith KE, Hall GR, Kvavadze E, Maghradze D, Rusishvili N, Bouby L, Failla O, Cola G, Mariani L, Boaretto E, Bacilieri R, This P, Wales N, Lordkipanidze D. Early Neolithic wine of Georgia in the South Caucasus. Proceedings of the National Academy of Sciences. 2017;114(48):E10309–E10318. doi:10.1073/pnas.1714728114
  4. Dietrich O, Heun M, Notroff J, Schmidt K, Zarnkow M. The role of cult and feasting in the emergence of Neolithic communities. New evidence from Göbekli Tepe, south-eastern Turkey. Antiquity. 2012;86(333):674–695. doi:10.1017/S0003598X00047840
  5. Yeshurun R, Bar-Oz G, Nadel D. The social role of food in the Natufian cemetery of Raqefet Cave, Mount Carmel, Israel. Journal of Anthropological Archaeology. 2013;32(4):511–526. doi:10.1016/j.jaa.2013.09.002
  6. Nadel D, Danin A, Power RC, Rosen AM, Bocquentin F, Tsatskin A, Rosenberg D, Yeshurun R, Weissbrod L, Rebollo NR, Barzilai O, Boaretto E. Earliest floral grave lining from 13,700–11,700-y-old Natufian burials at Raqefet Cave, Mt. Carmel, Israel. Proceedings of the National Academy of Sciences. 2013;110(29):11774–11778. doi:10.1073/pnas.1302277110
  7. Arranz-Otaegui A, Gonzalez Carretero L, Ramsey MN, Fuller DQ, Richter T. Archaeobotanical evidence reveals the origins of bread 14,400 years ago in northeastern Jordan. Proceedings of the National Academy of Sciences. 2018;115(31):7925–7930. doi:10.1073/pnas.1801071115
  8. Braidwood RJ, Sauer JD, Helbaek H, Mangelsdorf PC, Cutler HC, Coon CS, Linton R, Steward J, Oppenheim AL. Symposium: did man once live by beer alone? American Anthropologist. 1953;55(4):515–526. doi:10.1525/aa.1953.55.4.02a00050